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Morgens über die Felder walken

Einfach aufstehen, Schuhe anziehen, Stöcke nehmen und losgehen in den Morgen. Ich habe das Nordic Walking für mich entdeckt und bin begeistert.

Die Morgen-Luft pustet mir den Kopf frei, gerade jetzt im Herbst. Die Sonne geht gerade auf, der Nebel liegt noch in den Talsenken.

Am Gras, an den Blätter glitzern Tautropfen. Die ersten Blätter werden rot, in den Weinbergen hängen noch die dunkelblauen Reben. Ein Milan kreist über mir. Neben mir auf den Feldern bimmeln Schafsglocken, mampfen Kühe, beäugen mich Pferde.

Ich liebe es, diese Begegnung mit der Natur.

Mein Tag beginnt mit Freude, mit Bewegung draußen. Das Klick-Klack meiner Stöcke, das gleichmäßige Gehen beim Nordic Walking ist für mich Konzentration und Entspannung zugleich. Fast schon eine Geh-Mediation, wenn ich so richtig in den Flow komme.

Meine Lieblingsrunde führt mich einmal ganz um unser Dorf. Ich sehe von oben auf die Häuser, die Gärten, die Kirche in der Mitte und fühle mich zuhause.

Laufe ich da vielleicht gerade mein Territorium ab, fragt sich die Biologin in mir augenzwinkernd? Fehlt gerade noch, dass ich es markiere!

Ich walke am Dorfbach entlang, über Feldwege, Hügel runter und aus der Puste kommend wieder rauf, durch Weinberge und Wald. So viele vertraute Ausblicke.

Zwei Lieblingsbänke, auf die ich mich kurz setze: Von der einen überblicke ich das ganze Tal. Die andere steht mitten in Wald, hohe Bäume rauschen über mir.

Auf das Nordic Walking morgens freue ich. Davor, während meines Laufes und danach über das entspannte, ausgeglichene Gefühl in Körper und Kopf. Durchgepustet eben.

Entdeckt habe ich den Sport per Zufall, in einem Schwarzwald-Hotel. Morgens hing die Einladung zu einem Nordic Walking Kurs an der Pinnwand, ich lief einfach mal mit. Und fand die Bewegung wunderschön.

Gesucht hatte ich schon länger nach danach – wie könnte ich mich draußen regelmässig regelmäßig bewegen? Mit Freude?

Joggen geht im Moment nicht oder vielleicht nicht mehr, da streiken meine Gelenke. Radfahren ist mir zu schnell und holperig im Wald, ich will die Natur noch wahrnehmen und hören können. Reiten liebend gern, aber so spontan einfach aufs Pferd setzen kann ich mich nicht.

Und so passt nun eben jetzt gerade das Nordic Walking für mich. Allerdings erst, nachdem ich mir erlaubte, meinen Sport rein nach dem Lust-Prinzip auszusuchen.

Mir fällt immer wieder auf, was für einen Bewegungsdrang meine Kinder haben. Einfach los, einfach raus. Sie rennen, hüpfen, turnen, klettern, spielen mit einer Energie, die nie nachlässt. Sie haben Lust auf die Bewegung und freuen sich an ihr, werden grummelig, wenn der Tag nicht genug davon bringt.

Und ich? Hatte Sport jahrelang unter dem Anspruch „muss ich auch noch machen – sonst gehe ich aus dem Leim“ betrieben. Oder eben viel zu selten gemacht. Kein Wunder, bei so viel Muss und so wenig Spaß.

Und jetzt das Nordic Walking, nur weil es mir Freude bringt? Ist das nicht ein Sport für die ganz Alten und Unfitten, so mit schlackernden Stöcken zu schlendern? Pilates wäre doch viel effizienter. Golf prestigeträchtiger. Zumba schmissiger.

Ja, aber mir macht das Walken Freude. Ich liebe die Bewegung draußen. Liebe es, meine Umgebung zu umrunden. Liebe die Ruhe in der Natur. Laufe gern manchmal mit Freundinnen, an anderen Tagen allein.

Also passt das Nordic Walking für mich. Nein, viel mehr noch: Es ist seit langer Zeit endlich wieder ein Sport, auf den ich mich so richtig freue. Deshalb finde ich die Zeit dafür. Ganz unkompliziert.

Was passt für Euch? Welche Art von Bewegung macht Euch so richtig Freude? Ist ein Highlight, eine Motivation, ein Gedanke „ja, heute darf ich …“ statt „heute muss ich …“?

Übrigens, mit der richtigen Technik ist Nordic Walking ein tolles Training. Stärkt Beine, Arme, Rumpfmuskulatur – meinem Rücken und Gelenken geht es deutlich besser seit ich regelmässig walke …

Hier ist ein hilfreicher Link: http://www.achim-achilles.de/lauf-tipps/laufen-anfangen/30528-gesundheitssports-10-tipps-fuer-anfaenger.html

 

Praktisches

Hier schreibe ich über meine Freude-Projekte. Konkrete, im Alltag umsetzbare, unkomplizierte, günstige Ansätze, um mehr Freude in mein leben zu bringen.

Günstig, nicht weil Geiz geil ist. Freude ist mir sehr viel wert. Aber sie muss nicht immer etwas kosten – und schon gar nicht viel.

Freude in meinem Leben wieder präsenter sein zu lassen, dafür möchte ich vor allem meine Kreativität, Energie und Zeit investieren.

Zwei Teetassen für mehr Freude

Mein erstes Mini-Projekt. Umsetzbar mit zwei Teetassen und einem Porzellan-Marker.

Zwei ganz simple Fragen möchte ich mir stellen, jeden Tag wieder:

  • am Morgen: Worauf freue ich mich heute?
  • am Abend: Worüber habe ich mich heute gefreut?

Nur wie schaffe ich es, dass diese Frage im Morgen-Chaos und meiner Abend-Müdigkeit nicht untergehen?

Morgens bin ich einfach nicht geniessbar vor meinem ersten Tee. Und abends liebe ich es, eine letzte Tasse Tee vor dem Schlafen zu trinken. Keinen schwarzen – irgendetwas Leckeres, Kräuteriges mit viel Honig.

Daher die Idee: Vielleicht könnten mich die Teetassen an meine Freude-Fragen erinnern?

Ich kenne mich gut genug. Neue Gewohnheiten haben oft keine Chance, sich in meinem wuseligen Leben dauerhaft festzusetzen. Viel zu viele sind schon einen leisen Tod gestorben.

Aber eine neue Gewohnheit an einer bestehenden Gewohnheit festzumachen, sie daraufzusatteln – das könnte klappen. Wie gesagt, meinen Tee brauche ich sowieso.

Morgens, da kann ich am Frühstückstisch leise nachdenken, worauf ich mich freue. Wenn es bei uns mal leise ist. Oder die Frage an meine Familie stellen.

Von meinen Kindern kriege ich sehr schnell sehr viele Antworten – „auf die grosse Pause, aufs Werken, auf meine besten Freundin, auf den Spielplatz, aufs Kreidemalen ….“ Es ist ganz unglaublich, mit wieviel Vorfreude so ein Kindertag beginnt!

Von meinem 12-jährigen Pubertier kommt an vielen Tagen nur ein muffelig-verschlafenes „weiss ich doch nicht … vielleicht, wenn Du mich später gamen lässt?“. An anderen Tagen freut sich auch mein Sohn auf Sport, Freunde, Ausflüge. Aber das ist schon seltener.

Von meinem Mann, von mir selbst kommt oft erstmal ein grosses Schweigen. Wir müssen ziemlich intensiv nachdenken, bevor uns morgens gleich eine freudige Aussicht auf den Tag einfällt. Wie schade. Aber vielleicht kann man das trainieren?

Ich merke: Ja, in der Tat, das geht. Jeden Tag besser.

Auf einen Gang ins Dorf zum Einkaufen freue ich mich. Auf einen Schwatz mit der Freundin. Auf Gärtnern in der Sonne. Auf kreatîves Schreiben. Auf leckeres Essen-Kochen mittags. Aufs Katzen-Streicheln. Auf Verabredungen mit netten Müttern und Kindern. Aufs Vorlesen und  Kuscheln abends.

Ganz banale Kleinigkeiten. Und das sollen sie ja auch sein – kleine Momente, mitten im Alltag, die mir Freude bringen. Nicht die grossen, atemberaubenden, spektakulären Events.

Und abends? Wenn ich mich frage, worüber ich mich dann tatsächlich gefreut habe? Da schaffe ich es manchmal sogar, ein paar kurze Stichworte in mein Tagebuch zu schreiben. Oder zumindest im Bett liegend ein paar schöne erlebte Momente an mir vorüberziehen zu lassen.

Das gibt gute Träume, sage ich meinen Kindern immer. Und es stimmt. Es ist übrigens auch zum Gute-Nacht-Sagen eine tolle Frage an die Kinder oder an meinen Mann: „Was war heute schön, was hat Dich gefreut?“

Ich stelle sie gerne als letztes, nach der Frage „was lief denn nicht so gut?“ Die ist genauso wichtig, verdrängen wollen wir das ja nicht.

Aber den Tag bewusst mit Freude anzufangen und aufzuhören, das tut mir gut. Und zwei simple Teetassen helfen mir dabei.

Was hilft Euch? Ein Post-It am Laptop? Eine Nachricht auf dem Spiegel? Habt Ihr vielleicht ganz andere Gewohnheiten, an denen Ihr die Freude-Fragen festmachen könnt? Findet Ihr sie überhaupt gut?