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Ein Tier in mein Leben bringen

Ich habe Tiere immer schon geliebt und faszinierend gefunden. Meine Kinder waren durchweg die einzigen, deren Mutter bei jedem Marienkäfer oder Weinberg-Schnecke länger stehen bleiben wollte als sie selbst … und bei Hunden schon sowieso.

Aber gleich ein eigenes Tier nach Hause bringen? Das ist doch so wahnsinnig viel Arbeit – und man fängt wieder ganz von vorne an – ist total angebunden und eingeschränkt – bloß nicht, nein!

So hörte ich es von vielen Seiten und habe lange überlegt. Schließlich war es aber mein Freude-Projekt, dass mir den Mut gab zu sagen: Trotzdem, ich realisiere das jetzt! Alles Schöne im Leben macht halt auch Arbeit. Und solange ich genug Freude aus meinem Einsatz ziehe, wird er sich lohnen.

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Bei der Züchterin unserer Wahl war ein Wurf von zwölf kleinen Australian Labradoodles zur Welt gekommen – viel mehr als erwartet. Dadurch konnten wir auch viel schneller als erwartet zu unserem kleinen Welpen kommen.

Und nun ist Sunny bei uns. Ein kleiner, wuscheliger, caramel-farbener Rüde.

Er stellt mein Leben in der Tat komplett auf den Kopf. Mal eben eine Stunde gemütlich in der Badewanne sitzen geht gerade nicht. Kurz ins Dorf sausen auch nicht.

Kaum achte ich mal nicht gut auf seine Signale, finde ich schon ein Pfützchen auf dem Boden. Meine Hände, Kleider, Schuhe beschleckt und bekaut er ausgiebigst. Ich sehe in meinen alten Jeans, und Holzfällerhemd vermutlich aus wie eine zerzauselte, leicht übernächtigte Calamity Jane.

Egal. Es ist eine Riesenfreude, dieses kleine Geschöpf mit seinen kurzen, krummen Beinchen und dem runden Welpen-Bäuchlein um mich herumwuseln zu sehen. Sunnys wirklich seidenweiches Fell zu streicheln.

Zu beobachten, wie er mit seiner rosa-braunen Schnuffelnase alles neu erkundet. Mir eine halbe Stunde Zeit zu nehmen für die 50 Meter Grünstreifen vor unserem Haus.

Mich auf den Bordstein zu setzen und mit Nachbarn ins Gespräch zu kommen, die ich bislang nur vom Sehen kannte. Viele Schweizer sind ja eher zurückhaltend, aber Sunny ist der ultimative Eisbrecher.

Mit Sunny in unseren Garten zu gehen und zu spielen. Wenn er Bällchen oder Ziehtau hinterherjagt, kommt plötzlich so ein richtiges kleines Jagdtier in ihm durch. Er steht sogar an schon mit einem hochgezogenen Beinchen wie ein Mini-Apportierhund. Das sieht bei diesem kleinen Wollknäuel zum Schreien aus …


Ich bin komplett hin und weg von Sunny.

Ja, auch ziemlich müde. Wobei Sunny super schläft – aber ich muss mich wohl erstmal an das Hunde-Geschnuffel und -Gedrehe in der Box neben meinem Bett gewöhnen. Auch manchmal verwirrt – was will er denn bloß mit seinem Gefiepe? Oder frustriert – musste das Pfützchen sein, wenn ich nur mal zwei Minuten am Blitzduschen war?

Aber insgesamt ist es wunderschön. Zu merken, wie Sunny hier ankommt, Vertrauen fasst, sich eine richtige Beziehung zwischen uns aufbaut. Die lustigen Momente zu erleben, wo er voller Neugier und Lebenslust ist – das überträgt sich auf mich. Und die ruhigen zu genießen, wo sich ein kleiner warmer Hundekörper gemütlich auf meinem Hausschuh ablegt während ich lese – das überträgt sich auch.

Oh Sunny-Boy, Du machst mir wirklich Freude! Danke, dass Du da bist.