Ein bisschen zu viel des Guten im Dezember!

Gerade habe ich alle Termine für den Dezember in unseren Familien-Kalender eingetragen. Und gedacht, oh Gott. So wie der Monat jetzt schon aussieht, werden wir alle permanent wuseln wie die Weihnachts-Wichtel. Vier Schul-Anlässe, drei Konzerte, zweimal Advents-Singen, sechs Ausflüge, eine Sportnacht, Backen für den Stand am Weihnachtsmarkt vom Fussball-Club, drei Bastel-Projektwochen – wenn ich richtig gezählt und nichts übersehen habe. Was bei der Fülle sehr wahrscheinlich ist

Und das heisst für uns Eltern ja nicht nur, das richtige Kind zur richtigen Zeit irgendwohin hinzubringen. Dazu müssen wir kiloweise Kekse backen und Bio-Mandarinen einpacken. Gelbe T-Shirts für das eine Adventskonzert organisieren und für das andere festliche Outfits mit Engelsflügeln, das steht so im Elternbrief. Warmen Kakao für die ganze Klasse kochen für die Winterwanderung, komplettes Ski-Outfit raussuchen für die Eislaufbahn. Korken sammeln für die Bastelwoche und an einem Tag mithelfen. Ach ja, und ungezählte Stücke und Lieder, gern auf Spanisch, mit den Kindern üben. Hilfe!

Versteht mich nicht falsch:  Ich finde jede einzelne dieser Weihnachts-Anlässe wunderschön. Ich bin allen, dem Schulteam, den Coaches und Musik-Lehrern dankbar für ihr Engagement, ganz ehrlich. Sie wollen mit unseren Kindern die Vorweihnachtszeit ganz besonders gestalten, bringen sich selbst mit Liebe und Kreativität ein, und das ist wirklich toll. Nur in Summe ergibt es leider einen unglaublichen Wirbel für die Familien. Der jedes Jahr ein bisschen wirbeliger wird, scheint mir – die Bastelprojekte komplizierter, die Lieder exotischer, die Ausflüge aufwändiger, die Anlässe länger …

img1Ich bin wirklich kein übelgelaunter Weihnachts-Grinch, obwohl ich dieses Buch und die Filme liebe. Übrigens, wer den Grinch noch nicht kennt, die Geschichte ist herrlich lustig und trifft den Nagel auf den Kopf. Unbedingt lesen oder anschauen mit den Kids! Nein, ich finde die Adventszeit herrlich, bin selber gern am Basteln, Backen, Singen, Dekorieren und Vorbereiten mit den Kindern. Nur wenn alles um uns herum zu viel wird, dann möchte ich wie dieser grüne, grummelige Fussel-Grinch irgendwo einen Stecker rausziehen. Oder alles zumindest einen Gang langsamer schalten. Zu viel des Guten!

Ich würde so gern einfach in Ruhe mit der Familie die Dezembertage geniessen. Ohne Termin-Stress und dauernde „huch, wir müssen ja noch …“ Panik. Ohne Ausraster à la „verdammte Hacke, wie konntest Du bloss diesen Elternbrief verschlampen?!“ und Last-Minute-Katastrophen wie eingefleckte Konzert-T-Shirts. Ohne eine unmöglich komplexe Logistik, um Kind A zum regulären Training und Kind B zur zusätzlichen Probe zu bringen. Denn leider haben sich bei uns noch keine Wichtel gemeldet, um den normalen Alltag in Vollzeit zu übernehmen und uns für den Weihnachts-Wirbel komplett freizustellen …

IMG_8501Ich habe nachts schon Albträume, dass bei uns zwar die Keks-Dosen restlos gefüllt sind, aber der Kühlschrank gähnend leer. Dass unsere Kinder zwar perfekt ausgestattet sind mit Korken, Kostümen und Kakao, aber ich das falsche Kind am falschen Ort zurücklasse. Mit Engelsflügeln. Wird es dann eigentlich zurückgeflogen? Dass wir es zwar schaffen, jeden Tag x-mal durchs ganze Dorf zu wuseln, aber nicht mehr, mit dem Hund in den Wald zu gehen. Er guckt jetzt schon ganz verstört und scheint zu denken, Menschen sind seltsam. Ich gebe ihm recht.

Eigentlich möchte ich mich nur mal einen ganzen Abend lang faul mit einer grossen Tafel Weihnachts-Schokolade, Rotwein und Kuschelsocken aufs Sofa setzen, im Kerzenschein. Spontan mit den Kindern in die Stadt zum Weihnachtsmarkt fahren, ohne verzweifelt nach einer Lücke im Termin-Kalender zu suchen. Einfach mit der ganzen Familie durch den Wald stapfen, meinetwegen auch ohne Schnee, dafür mit einem sehr glücklichen Hund. Vielleicht sogar Feuer machen und Weihnachtslieder zusammen singen, auch wenn unser Teenie das oberpeinlich fände … Aber wann bloss? Geht Euch das auch so?

Deshalb mein ganz grinchiges Grummeln: Bitte, bitte ein bisschen weniger von allem Guten im Advent! Die Welt geht ja Neujahr nicht unter. Im Gegenteil, wir haben dann noch den ganzen grauen Winter vor uns und könnten ein paar Highlights in der Saure-Gurken-Zeit gut gebrauchen. Okay, Weihnachts-Basteln, Backen und Singen gehören schon in den Dezember, das sehe ich ein – aber vielleicht ist Weniger da auch Mehr? Vielleicht könnte es weniger aufwändig viel stimmungsvoller werden? „Ihr Kinderlein kommet“ in der Schul-Aula statt „Noche de paz, noche de amor“ im Musical-Theater?

Denn spätestens Weihnachten wollen wir ja alle nicht mit hängender Zunge über die Ziellinie traben und unter dem Tannenbaum zusammenklappen. Und schön wäre es auch für unsere Kinder, vorher einmal zur Ruhe und Besinnung zu kommen, statt schon völlig überdreht in die Festtage zu starten. Findet zumindest der Grinch in mir. Ich ziehe mir jetzt einfach die Kuschel-Socken an, stöpsele das Telefon aus und lese meinen Kindern „Tomte Tummetott“ vor. Der muss den ganzen Dezember nur durch den Schnee stiefeln und Tiere streicheln. Alle Jahre wieder denke ich: Hat der es gut …2943666ff17c52b1a18fc2177e071526 

Wie geht es Euch im wirbeligen Advent? Geniesst ihn trotz und mit allem, was dazugehört!

6 Gedanken zu „Ein bisschen zu viel des Guten im Dezember!

  1. karingante

    Liebe Ulrike,
    so schön und lustig hast Du den Vorweihanachtswahnsinn beschreiben! Du sprichst sicherlich vielen Eltern und Kindern aus dem Herzen. Ich habe keine Kinder aber 5 Patenkinder und was ich da so mitbekomme stimmt schon grinchig :-).
    Selbst ohne Kids ist die Zeit auch für mich als Selbständige schon vollgepackt und alle Jahre wieder hoffe ich auf mehr Ruhe und Besinnlichkeit. Da freut es mich glatt, das nächste Woche ein Seminar ausfällt, weil der Kollege, mit dem ich es leiten wollte, krank geworden ist. 2 Tage und Abende geschenkt bekommen als Vorweihanchtsgeschenk! Da werden die Kerzen am Adventszkranz mal so richtig brennen und ich werde die Ruhe genießen.
    Ich hoffe, Dein Apell wird von vielen engagierten Vorweihnachtseventlern gelesen und sich zu Herzen genommen und sie verteilen Ihr Engagement demnächst auf mehrere Wintermonate, damit sich Familie und Hund freuen können.
    Ganz liebe Grüße
    Karin

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    1. ulrikelw Autor

      Liebe Karin, Danke – Dein Kommentar freut mich sehr ! Und ich bin froh für Dich, dass Du zwei entspannte Adventstage bekommen hast – genieß sie! Ich schicke Dir herzliche Adventsgrüsse, Ulrike

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  2. Cornelia Dinger-Schabacker

    Liebe Ulli,
    Heidi hat mir deinen Blog geschickt und ich kann
    ALLES unterschreiben! Wir reduzieren uns seit Jahren immer ein bisschen mehr- schön krankheitsbedingt!
    Wir tappen immer wieder in die Falle unseres Perfektionismus und müssen uns gegenseitig darin bestärken, dass weniger mehr ist!
    Toller Angang!
    Allerdings hat Heidi mir eure wunderbare Weihnachtskarte gegeben und schon habe ich wieder überlegt, wie ich auch so was Tolles machen kann….
    So what- wünsche euch ein gemütliches und wunderschönes Weihnachtsfest 🎄

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    1. ulrikelw Autor

      Liebe Conni, das freut mich sehr, von Dir zu hören! Danke für Deinen lieben Kommentar. Du, man kann einfach nicht alles machen und muss es auch nicht. Lieber Zeit fürs Wesentliche freischaufeln. Aber das schaffen wir auch nicht immer … Wir wünschen Euch schöne Advents- und Feiertage und schicken liebe Grüsse aus Basel. Alles Gute, auch an Pit. Herzlich, Ulrike

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