Das kalte Grausen: Familien-Skiferien

Ich liebe verschneite Berge. Und ich liebe meine Familie. Aber bei dem Gedanken, in nur vier Wochen zusammen Ski zu fahren, quillt mir das Adrenalin aus den Ohren.

Stress gibt’s garantiert beim

Anziehen morgens: Kind Nr. 3 findet seinen linken Handschuh nicht und heult. Kind Nr. 1, schon Teenie, blockiert seit 30 Minuten das Bad, um die Frisur zu stylen. Die sowieso unter dem Helm landet. Kind Nr. 2 sitzt vollständig angezogen draussen, leider mit dem Popo in einer Schneematsch-Pfütze. Kind Nr. 3, jetzt auch endlich voll ausstaffiert, muss plötzlich nochmal Pipi. Papa murmelt etwas von „schnell Emails vom Büro checken“ und verschwindet. Mama überlegt, ob es auch in Skiorten Scheidungs-Anwälte gibt.

Einchecken in die Skischule: „Da bleiben wir niiiiiiie, Ihr liebt uns nicht“, jaulen die Mädels. „Totaler Retro Babyscheiss“ muffelt der Teenie. Mama kann nur mit Japsen antworten, weil sie drei bockige Kinder mitzerrt, eigene Skier schleppt und die vom jüngsten Kind, sowie alle runterfallenden Handschuhe aufsammelt. Papa spricht eh nicht mehr seit dem Anschiss von Mama beim Anziehen. Morgen, ja da wird sich der Teenie noch länger stylen für Lisa, seine megacoole Skilehrerin. Die Mädels werden schwärmen von Sprungschanzen und Murmli-Maskottchen. Aber heute ist Drama.

Pipimachen: Erstmal zusammen eine steile Treppe mit klobigen, rutschigen Skischuhen runterfallen. Dann im Pipi-Müffel-Dunst Schlange stehen mit quengelndem Kind. Versuchen, das Kind über der verdreckten Klobrille abzuhalten ohne die Handschuhe in den grau-gelblichen Matsch am Boden fallen zu lassen. Selbst blitzschnell stresspinkeln und ohne Händewaschen zur Treppe sausen, damit das Kind nicht nochmal runterkracht. Nicht darüber nachdenken, wo die Hosenträger vom Kind wohl so feucht geworden sind. Dann das Ganze von vorne mit dem nächsten Kind … Papa könnte ja auch mal ran? Nee, der checkt E-Mails.

Essen im Restaurant: Alle Tische voll belegt. Mit durchgestylten Ski-Hipstern mit Fellbesatz am Kragen und Designer-Sonnenbrillen. Die sitzen seit zwei Stunden lässig chillaxend in der Sonne und zerren keine vor Hunger jaulenden Kinder hinter sich her. Dafür werfen sie unseren Kids wütende Blicke zu, wenn die kurz am gleichen Tisch ihre Kinderteller essen wollen. Oder, Gottachgott, aus Versehen einen Hipster-Skihelm zu Boden werfen. Kriegt Ihr erst mal Kinder und versucht dann, in den überfüllt-glitschigen Restaurants noch lässig rüberzukommen!

Pistensäue in Schach halten: Kaum stehen wir alle auf den Brettern, brettern sie an uns vorbei wie wütende Wildschweine. Ja, glauben die eigentlich, hier findet gerade das Casting für „Deutschland sucht die Super-Pisten-Sau“ statt? Die rasende Gruppe Engländer im Haifischkostüm auf der Piste hat garantiert schon ein paar Schnäpse zum Frühstück gehabt. Kann denen mal jemand sagen, dass Kinder über den Haufen fahren nicht supercool ist? Verdammte Hacke, wer verdonnert endlich diese Freizeitraser zum obligatorischen Bremskurs? Da werde ich zur Stöcke-schwingenden, hinterher-brüllenden Schneelöwen-Mama!

Gemeinsam Ski fahren: Der Älteste will mit Papa Tiefschnee fahren – und wusch sind die beiden schon verschwunden. Die Mittlere will ganz allein fahren und darf das auch, nachdem sie hoch und heilig verspricht, nur genau an diesem Schlepplift zu bleiben. Mama fährt pseudo-skilehrermässig vor der Jüngsten her, so tief im Stemmpflug, dass ihr die Knie weh tun. Der Rücken noch mehr vom ewigen Kind-aus-dem-Schnee-wieder-hochzerren. Unten angekommen beim Schlepplift warten sie vergeblich auf die Mittlere, die doch lieber eine Waldabfahrt gemacht hat. Soviel zum Thema „gemeinsame Familien-Erlebnisse“.

Zurückkommen in die Ferienwohnung: Irgendwann trudeln alle wieder ein. Aber die Stimmung ist im Keller: Irgendwer hat ein Fenster aufgelassen und die Bude ist so kalt wie ein Iglu. Irgendwer anders ist mit Schneematsch-Skischuhen durch den Flur gelaufen und hat überall Pfützen hinterlassen. Irgendwer müsste jetzt müffelnde Skisocken und nasse Klamotten aufhängen. Irgendwer anders müsste dringend fürs Abendbrot einkaufen. Niemand hat Lust oder Kraft. Verdammt, warum sind Hotels nur so teuer?!

Und was hilft gegen all den Stress? Letztes Jahr im Skiurlaub habe ich es endlich entdeckt. Mein Hexenschuss von all dem Geschleppe und Generv war meine Rettung. Zwei Tage Papa den ganzen Laden übernehmen lassen. Statt mich mit zickigen, heulenden Kindern herumzuschlagen, lieber entspannt ganz allein zur Bergstation rauffahren. In der Sonne sitzen, eine harte Wahl zwischen Toblerone-Mousse und Aprikosen-Torte mit viel Sahne treffen (in jedem Fall ein Jaga-Tee dazu) und in Ruhe die „Gala“ lesen.

Hach, Familien-Skiurlaub kann doch so schön sein … Ich glaub, dieses Jahr kriege ich ganz sicher wieder einen Hexenschuss!

 

2 Gedanken zu „Das kalte Grausen: Familien-Skiferien

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